Vin de Paille: Strohwein aus getrockneten Trauben
Vin de Paille heißt Strohwein, und der Name beschreibt, wie der Wein entsteht. Zu Beginn der Lese werden die besten Trauben ausgewählt und anschließend mindestens sechs Wochen, oft drei bis fünf Monate, in trockenen, gut belüfteten Räumen getrocknet. Früher lagen sie auf Stroh. Heute liegen sie meist auf Gestellen oder in gelochten Kisten, oder sie hängen an Drähten. Die Beeren verlieren Wasser, Zucker, Säure und Aromen konzentrieren sich.
Gepresst wird zwischen Weihnachten und Ende Februar. Hundert Kilo getrocknete Trauben ergeben knapp 20 Liter Most, oft mit mehr als 300 Gramm Zucker pro Liter. Die Gärung verläuft spontan und langsam und endet je nach Jahrgang zwischen 14 und 18,5 Prozent Alkohol. Danach reift der Wein meist rund drei Jahre in kleinen Eichenfässern. Vin de Paille ist also kein Likörwein: Es wird kein Alkohol zugesetzt, Süße und Kraft stammen allein aus den Trauben. Genau das unterscheidet ihn vom Macvin, der zweiten süßen Spezialität des Jura.
Vin de Paille aus dem Jura: Rebsorten, Geschmack und Erzeuger
Im Jura entsteht Vin de Paille in den Appellationen Arbois, Côtes du Jura und L'Etoile, aus Chardonnay, Savagnin und dem hellen roten Poulsard, vereinzelt auch Trousseau. Die Mengen sind klein, abgefüllt wird fast immer in halben Flaschen zu 0,375 Litern. Die Farbe reicht von Gold über Bernstein bis Mahagoni. In der Nase zeigen sich getrocknete und kandierte Früchte, Feige, Quitte, Backpflaume, Honig und Karamell, manchmal ein Hauch von Tee oder Gewürzen. Am Gaumen ist er dicht und süß, getragen von frischer Säure.
Aus Arbois kommen die Domaine Rolet Père et Fils und die Domaine de la Tournelle, deren Vin de Paille A l'aube 2009 schon Flaschenreife mitbringt. Die Côtes du Jura vertreten die Domaine Pignier, die Domaine Jean-Luc Mouillard und die Domaine Christophe et Yoann Perrin mit einem 2020 aus Chardonnay, Poulsard und Savagnin.
Strohwein außerhalb des Jura: Rhône, Corrèze und Kalifornien
Die Methode ist älter und weiter verbreitet als der Jura. In Hermitage an der nördlichen Rhône entstehen kleine Mengen Vin de Paille aus Marsanne und Roussanne, und in der Corrèze heißt der Wein Vin paillé und ist mit etwa 12 bis 13 Prozent Alkohol leichter. Österreich kennt Strohwein oder Schilfwein als eigenes Prädikat, für das die Trauben mindestens drei Monate trocknen müssen, und in Italien heißt das Verfahren Passito.
Auch in Kalifornien wird der Name verwendet. Sine Qua Non füllte To The Rescue als Vin de Paille ab: Roussanne 2006 aus dem Eleven Confessions Vineyard, auf Strohmatten getrocknet, und Grenache 2007, beide mit rund 290 Gramm Restzucker und in der 0,375-Liter-Flasche.
Vin de Paille zum Essen und richtig serviert
Servieren Sie Vin de Paille gekühlt bei 5 bis 8 Grad, aber nicht eiskalt. Er passt als Aperitif und zu Foie gras, und er harmoniert mit Blauschimmelkäse und anderen kräftigen Käsesorten. Zum Dessert eignen sich eine Aprikosen- oder Nusstarte, Schokoladendesserts und trockenes Gebäck. Eine halbe Flasche reicht weit, denn ein kleines Glas genügt. Weitere süße Weine finden Sie in unserer Auswahl an Dessertwein.
Häufige Fragen zu Vin de Paille
Ist Vin de Paille ein Likörwein?
Nein. Es wird kein Alkohol zugesetzt. Süße und Alkohol stammen aus den getrockneten Trauben und einer langen, natürlichen Gärung.
Was ist der Unterschied zwischen Vin de Paille und Vin Jaune?
Vin Jaune ist ein trockener Weißwein aus Savagnin, der sechs Jahre und drei Monate im Fass unter einer Hefeschicht reift. Vin de Paille ist süß und entsteht aus getrockneten Trauben.
Ist Vin de Paille dasselbe wie österreichischer Strohwein?
Das Prinzip ist gleich, getrocknete Trauben ergeben einen süßen Wein. Die Regeln, Rebsorten und Herkunft sind jedoch verschieden.
Wie lange lässt sich Vin de Paille lagern?
Lange. Die hohe Konzentration an Zucker und Säure lässt einen guten Vin de Paille weit über zehn Jahre reifen.