Blaufränkisch und Lemberger: die große Rotweinsorte Mitteleuropas
Blaufränkisch ist die Rebsorte, die das Burgenland im Osten Österreichs prägt, und unter anderen Namen ist sie jenseits der Grenzen genauso zu Hause. In Ungarn heißt sie Kékfrankos, in Württemberg Lemberger (oder Limberger), in Tschechien und Kroatien Frankovka. DNA-Analysen zeigen, dass sie aus einer Kreuzung von Gouais Blanc und Blauer Zimmettraube stammt, und historische Quellen verorten ihre Heimat in der Untersteiermark im heutigen Slowenien. In Österreich ist sie nach dem Zweigelt die zweitwichtigste rote Sorte, und der Zweigelt selbst ist eine Kreuzung aus Blaufränkisch und St. Laurent von 1922.
So schmeckt Blaufränkisch Wein
Blaufränkisch ergibt tief farbige Weine mit dunkler Frucht wie Brombeere und dunkler Kirsche, einer pfeffrigen Würze und frischer, oft kräftiger Säure. Die Tannine sind fest, aber nicht schwer. Die Rebe treibt früh aus und reift spät, deshalb bekommt sie die wärmsten Hänge. Bei zu hohen Erträgen wird der Wein dünn und grün; von alten Reben in guten Lagen entstehen dichte, mineralische Weine, die viele Jahre reifen können und sich von frisch und fruchtig zu samtig und vielschichtig entwickeln. Wer Syrah von der nördlichen Rhône mag, findet hier einen Rotwein, den man kennen sollte.
Burgenland, Sopron und Württemberg: die besten Herkünfte
Die meisten österreichischen Flaschen auf dieser Seite stammen aus dem Burgenland. Das Mittelburgenland trägt den Beinamen Blaufränkischland, weil die Sorte mehr als die Hälfte der Weingärten bedeckt, und Mittelburgenland DAC war die erste österreichische Herkunft für Rotwein. Weiter südlich steht Eisenberg DAC für würzigen, mineralischen Blaufränkisch von eisenhaltigen Böden, und Rotweine aus dem Leithaberg DAC müssen mindestens 85 Prozent Blaufränkisch enthalten.
Roland Velich von Moric ist der Name, der am häufigsten mit dem modernen Ruf der Sorte verbunden wird. Seine Weine von sehr alten Reben in Lutzmannsburg und Neckenmarkt und der Jagini aus Zagersdorf zeigen, wie fein und lang Blaufränkisch sein kann. Claus Preisingers Kalkstein und Judith Becks Judith kommen aus Gols am Neusiedler See, der Schützenhof steht mit seiner Eisenberg Reserve Senior für den Süden, und Herrenhof-Lamprechts Buchertberg Rot zeigt die Steiermark. Mehr dazu unter Österreichische Weine.
Unter den ungarischen Weinen ist Kékfrankos eine der meistangebauten Sorten, wichtig in Sopron und im Egri Bikavér aus Eger. Peter Wetzer bewirtschaftet kleine Parzellen rund um Sopron und füllt seinen Kékfrankos nach Lagen ab, etwa Blumenthal und Spern Steiner. Lemberger ist eine Spezialität aus Württemberg: Weingut Heid keltert ihn aus dem Fellbacher Goldberg und dem Lämmler, dort als Großes Gewächs, dazu kommen die Lemberger von Lassak und G. A. Heinrich mit seinem Heilbronner Löwenherz. Bodegas F. Schatz baut Lemberger sogar bei Ronda in Andalusien an, für den Acinipo.
Cuvées, Rosé und Speisenbegleitung
Wie auf unseren anderen Rebsortenseiten finden Sie hier auch Weine, in denen Blaufränkisch Teil einer Cuvée ist. Rund um Gols keltern die Winzer der Gruppe Pannobile Cuvées aus den Sorten der Region; Claus Preisingers Pannobile verbindet Blaufränkisch mit Zweigelt, sein Paradigma mit Merlot. Judith Becks Out und Moric Hausmarke Rot folgen derselben Idee. Blaufränkisch ergibt auch knackigen, würzigen Rosé, etwa Claus Preisingers DOPE und den Rosé vom Opok von Maria & Sepp Muster aus der Steiermark.
Die frische Säure und die würzige Frucht machen Blaufränkisch zu einem vielseitigen Essensbegleiter. Klassisch sind Lamm und Gegrilltes, ein junger Wein passt zu Schweinebraten, Ente oder Gulasch mit Paprika. Gereifte Lagenweine von Moric oder Weingut Heid vertragen Wild und gereiften Käse.
Häufige Fragen zu Blaufränkisch
Ist Lemberger dasselbe wie Blaufränkisch?
Ja. Lemberger und Limberger sind die deutschen Namen, Kékfrankos der ungarische und Frankovka der Name in Tschechien und Kroatien. Es ist überall dieselbe Rebsorte.
Was ist der Unterschied zwischen Blaufränkisch und Zweigelt?
Zweigelt ist ein Nachkomme von Blaufränkisch und St. Laurent. Er ist weicher und saftiger, während Blaufränkisch mehr Säure, festere Tannine und dunklere, würzigere Frucht hat und meist länger reifen kann.
Wie lange kann man Blaufränkisch lagern?
Die besten Weine viele Jahre. Lagenweine von alten Reben entwickeln sich lange in der Flasche, einfache Gutsweine sind für den jungen Genuss gemacht.
Ist Lemberger trocken?
Die meisten Lemberger und Blaufränkisch sind trocken ausgebaut. In Württemberg gibt es daneben halbtrockene Weine, oft als Trollinger mit Lemberger.