Vietti in Castiglione Falletto: Familiengeschichte im Herzen des Barolo
Das Weingut Vietti liegt auf dem höchsten Punkt von Castiglione Falletto, mitten in der Barolo-Zone der Langhe. Gegründet hat es Carlo Vietti im 19. Jahrhundert. Sein Sohn Mario kehrte nach einigen Jahren in den USA zurück, übernahm 1917 den Hof und machte daraus ein Weingut, das konsequent auf Qualität setzte. Ende der 1950er Jahre übernahmen Marios Tochter Luciana und ihr Mann, der Önologe Alfredo Currado, die Verantwortung, und in dieser Zeit wurde der Name Vietti weit über das Piemont hinaus bekannt. Seit 2016 gehört das Haus der Familie Krause, die neue Lagen in Barolo und Barbaresco hinzugefügt und ein eigenes Timorasso-Projekt in den Colli Tortonesi aufgebaut hat.
Rocche di Castiglione 1961: einer der ersten Barolo aus einer Einzellage
Gegen den Rat seiner Nachbarn baute Alfredo Currado 1961 die Trauben aus der Lage Rocche di Castiglione getrennt aus und füllte sie unter dem Lagennamen ab. So entstand einer der ersten Barolo aus einer einzelnen, benannten Lage, eine Idee, die heute im ganzen Barolo selbstverständlich ist. Currado rettete auch den Arneis: 1967 kelterte er einen der ersten reinsortigen Weine aus dieser fast verschwundenen Rebsorte und bekam dafür den Spitznamen "Vater des Arneis". In den 1970er Jahren kamen die Künstleretiketten hinzu, eine Tradition, die Vietti bis heute pflegt.
Rocche di Castiglione ist bis heute der duftigste Barolo des Hauses, mit Rosen, Kirschen und feinem Tannin. Daneben steht die Barolo Riserva Villero, ebenfalls aus Castiglione Falletto, die 1982 zum ersten Mal erzeugt wurde und nur in Jahren abgefüllt wird, die das Weingut für herausragend hält. Die Villero Riserva 2016 gehört dazu.
Vietti Barolo und Barbaresco aus den besten Lagen der Langhe
Über die Jahre hat Vietti eine ungewöhnlich breite Palette an Lagen zusammengetragen. Lazzarito in Serralunga d'Alba liefert kraftvollen, straffen Barolo mit langem Atem, Monvigliero in Verduno gilt als würzig und aromatisch. Brunate, Cerequio und Ravera zeigen jeweils ihre eigene Balance aus Frucht, Struktur und Säure, und alle gibt es hier in mehreren Jahrgängen und als Magnum. Der Barolo Castiglione ist der klassische Barolo des Hauses und der natürliche Einstieg in den Stil. Im Barbaresco keltert Vietti Weine aus Roncaglie, darunter die Roncaglie Masseria, und eine Riserva aus Rabajà, einer der bekanntesten Lagen der Gemeinde.
Mehr als Nebbiolo: Barbera, Dolcetto, Freisa und Timorasso
Der Barbera d'Asti La Crena stammt aus einer nach Süden ausgerichteten Lage bei Agliano Terme, deren älteste Reben 1932 gepflanzt wurden, und zählt zu den ernsthaftesten Weinen des Barbera d'Asti. Der Barbera d'Alba Vigna Scarrone kommt aus der Lage Scarrone in Castiglione Falletto, wo die ältesten Barbera-Reben des Hauses 1918 gepflanzt wurden. Aus der Langhe stammen außerdem der Langhe Nebbiolo Perbacco, der Barbera d'Alba Trevie, der saftige Dolcetto d'Alba Trevie, der kantigere Langhe Freisa und der Verduno Pelaverga, ein leichter, pfeffriger Rotwein aus einer Rebsorte, die fast nur rund um Verduno wächst. Weiß wird es mit Timorasso aus den Colli Tortonesi: dem Timorasso Derthona und dem Piccolo Derthona aus den jüngsten Weinbergen in Vho und Monleale, im Stahltank vergoren und für den frischen Genuss gemacht.
Häufige Fragen zu Vietti
Was macht den Vietti Barolo besonders?
Vietti hat den Lagen-Barolo mit erfunden, und jede Lage wird so ausgebaut, dass sie ihren Ursprung zeigt. Der Stil ist klassisch, mit klarem Duft und einem Tannin, das auf die Reife im Keller angelegt ist.
Mit welchem Vietti-Wein fängt man am besten an?
Der Barolo Castiglione zeigt den Hausstil sehr gut. Für heute Abend eignen sich Dolcetto d'Alba Trevie, Langhe Freisa, Verduno Pelaverga oder der Langhe Nebbiolo Perbacco, danach lohnt der Schritt zu einer benannten Lage.
Worin unterscheiden sich Vietti Barbera d'Alba und Barbera d'Asti?
Der Barbera d'Alba Vigna Scarrone wächst in Castiglione Falletto, mitten im Barolo-Gebiet, der Barbera d'Asti La Crena in den Hügeln bei Agliano Terme. Beide zeigen die typische frische Säure der Barbera, aber von sehr verschiedenen Böden und Lagen.
Wie lange kann man Vietti Barolo lagern?
Lagen-Barolo wie Lazzarito, Brunate oder Rocche di Castiglione profitiert von einigen Jahren Ruhe und entwickelt sich in einem kühlen Keller lange weiter. Dolcetto, Freisa, Pelaverga und Piccolo Derthona trinkt man dagegen jung.