Schwarzriesling und Pinot Meunier sind dieselbe Rebsorte, nur mit zwei sehr unterschiedlichen Karrieren. In Deutschland kennt man sie als weichen, saftigen Rotwein. In Frankreich steckt sie in fast jeder Flasche Champagner, ohne je auf dem Etikett aufzutauchen. Beides findest du hier, von der Einstiegsflasche unter 25 Euro bis zur gereiften Prestige-Cuvée.
Die stille dritte Rebsorte der Champagne
Meunier stellt rund ein Drittel aller Rebflächen der Champagne, in der Vallée de la Marne sogar über 40 Prozent. Sie treibt spät aus und reift früh, was sie auf den frostgefährdeten Talböden verlässlicher macht als ihre berühmten Geschwister. Im Glas bringt sie genau das mit, was einer Cuvée sonst fehlt: rote Beeren, reife Birne, milde Säure und eine Rundheit, die Pinot Noir allein nicht liefert und Chardonnay schon gar nicht. Deshalb schmeckt junger Champagner so zugänglich. Nach ein paar Jahren auf der Hefe kommt Brioche dazu.
Winzer, die Meunier in den Mittelpunkt stellen
Lange galt die Sorte als Arbeitspferd für den Verschnitt. Das hat sich gründlich geändert. Eric Taillet füllt sie sortenrein als Blanc de Meunier ab, Dehours & Fils tut dasselbe mit Terre de Meunier, und Laherte Frères zeigt im Rosé de Meunier, wie viel Frucht in ihr steckt. Georges Laval arbeitet in Cumières mit alten Meunier-Parzellen, Collard-Picard keltert daraus sogar einen stillen Coteaux Champenois. Unter den großen Häusern ist Krug die bekannteste Ausnahme: Dort hatte Meunier immer schon einen festen Platz in den Prestige-Cuvées. Wer den Charakter möglichst pur erleben will, greift zu einem Blanc de Noirs. Außerhalb Frankreichs bleibt sortenreiner Meunier eine Rarität: Suzor aus dem Willamette Valley in Oregon gehört zu den wenigen, die daraus einen stillen Rotwein keltern, der die Sorte wirklich ernst nimmt.
Schwarzriesling aus Deutschland: Rotwein und Sekt
In Deutschland stehen rund 1.664 Hektar Schwarzriesling, gut 1.175 davon in Württemberg, wo die Sorte nach Trollinger und Lemberger die dritthäufigste rote ist. Müllerrebe heißt sie hier ebenfalls, weil die Blattunterseiten wie mit Mehl bestäubt aussehen. Die Rotweine sind rubinrot bis ziegelrot, duften nach Kirsche, Himbeere und Johannisbeere und tragen deutlich weniger Gerbstoff als Spätburgunder. Richtig spannend wird es beim Sekt: Griesel & Compagnie an der Hessischen Bergstraße, Sekthaus Raumland in Rheinhessen und BurkhardtSchür in Franken, letztere mit einem sortenreinen Blanc de Meuniers. Auf englischer Kreide macht die Sorte übrigens dasselbe, etwa bei Coates & Seely, Wiston Estate und Rathfinny. Mehr Flaschen aus der Heimat findest du unter deutschem Wein.
Häufige Fragen zu Schwarzriesling und Pinot Meunier
Ist Schwarzriesling ein Rotwein?
Ja, es ist eine rote Rebsorte, und die deutschen Stillweine sind Rotweine. Weiß gekeltert ergibt sie aber genauso Weißherbst, Rosé und Blanc de Noirs, denn das Fruchtfleisch ist hell. Die Farbe sitzt allein in der Schale.
Wie schmeckt Schwarzriesling?
Nach roter Kirsche, Himbeere und reifer Birne, mit milder Säure und feinem Gerbstoff. Jung getrunken wirkt er weicher und zugänglicher als Spätburgunder, dafür weniger streng und weniger langlebig.
Was ist der Unterschied zwischen Schwarzriesling und Pinot Meunier?
Keiner. Es ist dieselbe Sorte, nur der Name wechselt mit dem Land: Schwarzriesling oder Müllerrebe in Deutschland, Pinot Meunier in Frankreich. Mit Riesling ist sie nicht verwandt, der Name spielt nur auf die ähnliche Traubenform an.
Wozu passt Schwarzriesling?
Die Rotweine mögen Schweinebraten, Lamm, Pilzgerichte und milden Käse. Die Schaumweine sind flexibler: Austern, Frittiertes, Sushi und Brathähnchen funktionieren alle.