England hat sich in den letzten Jahrzehnten vom Außenseiter zu einer ernst zu nehmenden Adresse für Schaumwein entwickelt. Der größte Teil des englischen Weins perlt, und vieles davon wächst auf Kreideböden im Süden des Landes. Daneben steht eine lange Gin-Tradition, vom klassischen London Dry bis zum weicheren Old Tom.
Englischer Schaumwein: Kreide, kühles Klima und Champagnerrebsorten
Englischer Schaumwein entsteht meist nach der traditionellen Methode mit zweiter Gärung in der Flasche und aus denselben Rebsorten wie in der Champagne: Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Das kühle Klima sorgt für hohe Säure und einen straffen, frischen Stil. Mehr als drei Viertel der Rebfläche liegen im Südosten Englands, vor allem in Kent, West Sussex, Hampshire, East Sussex und Surrey. Sussex trägt seit 2022 eine eigene geschützte Ursprungsbezeichnung (PDO), und die Böden aus Kreide, Grünsand und Lehm erinnern an die der Champagne.
Aus Sussex kommt Rathfinny, an einem nach Süden geneigten Kreidehang der South Downs bei Alfriston gelegen, mit Classic Cuvée, Blanc de Blancs, Blanc de Noirs und Rosé. Wiston Estate in West Sussex liegt ebenfalls auf Kreide in den South Downs und ist seit 1743 im Besitz der Familie Goring. Die Reben kamen dort 2006 in den Boden. Oxney Organic Estate in East Sussex arbeitet biologisch und füllt Blanc de Blancs, Rosé und Classic Cuvée. In Kent pflanzte Gusbourne 2004 die ersten Reben bei Appledore. Die ersten Jahrgänge, Brut Reserve und Blanc de Blancs 2006, kamen 2010 auf den Markt.
Auch die Champagne selbst hat England entdeckt. Louis Pommery England Brut war der erste englische Schaumwein eines Champagnerhauses und stammt aus Hampshire, gekeltert aus Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay. Wer gern Champagner trinkt, findet in englischen Perlweinen eine spannende Alternative. Schaumweine aus allen anderen Ländern gibt es unter Schaumwein.
Vom Weinbau der Römer bis zum modernen englischen Wein
Schon die Römer pflanzten in England Reben, und das Domesday Book von 1086 nennt über 40 Weinberge. Der moderne Weinbau begann erst wieder ab den 1970er Jahren. Heute entstehen neben den Schaumweinen auch stille Weißweine aus Chardonnay und Bacchus sowie Rotweine aus Pinot Noir und Dornfelder. Ein Beispiel für stillen Chardonnay aus Sussex ist der Tidebrook Staddle Stone.
Englischer Gin: London Dry, Old Tom und neue Destillerien
England und Gin gehören zusammen. Während des sogenannten Gin Craze im frühen 18. Jahrhundert eröffneten in London Tausende Ginläden. Der bekannteste Stil ist heute London Dry Gin: Wacholder muss dominieren, und nach der Destillation dürfen weder Farbe noch nennenswert Zucker zugesetzt werden. Der Name bezeichnet einen Stil, keine Herkunft. Old Tom ist weicher und leicht süßer, Sloe Gin ist streng genommen ein Likör aus Schlehen.
Aus London stammen die City of London Distillery und Hayman's. Silent Pool wurde 2013 in Albury in Surrey gegründet, Tarquin's destilliert an der Küste Cornwalls und ist bekannt für Fruchtvarianten wie Rhubarb and Raspberry oder Blackberry. In Northumberland pflückt die Moorland Spirit Company für Hepple jungen grünen Wacholder vom eigenen Anwesen. Die ganze Auswahl findet sich unter Gin.
Wer Whisky sucht, sollte nach Norden schauen: Single Malts und Blends haben ihre eigene Seite unter Schottland.
Speisebegleitung zu englischem Schaumwein und Gin
Die hohe Säure englischer Schaumweine passt zu Salz und Fett: Austern, Räucherlachs, Fish and Chips oder frittierte Snacks. Rosé und Blanc de Noirs vertragen auch helles Fleisch und milden Käse. Ein trockener Gin Tonic mit Zitrusschale ist der klassische Aperitif.
Häufige Fragen zu englischem Wein und Gin
Gibt es englischen Champagner?
Nein. Champagner ist eine geschützte Bezeichnung für Wein aus der Champagne in Frankreich. Was oft englischer Champagner genannt wird, ist englischer Schaumwein, hergestellt nach der traditionellen Methode aus denselben Rebsorten.
Woher kommt der beste englische Schaumwein?
Die meisten Spitzenweine stammen aus dem Südosten, besonders aus Sussex, Kent und Hampshire, wo Kreideböden und kühles Klima frische, präzise Weine ergeben.
Kommt London Dry Gin immer aus London?
Nein. London Dry ist ein Stil mit strengen Regeln dafür, was nach der Destillation zugesetzt werden darf, und kann überall hergestellt werden. Viele klassische London Dry Gins kommen aber nach wie vor aus England.
Wird in England auch Rotwein gemacht?
Ja, allerdings in kleineren Mengen als Weißwein und Schaumwein. Pinot Noir und Dornfelder sind die wichtigsten roten Rebsorten, und Pinot Noir steckt auch in vielen Schaumweinen.