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Silvaner: eine alte Rebsorte mit österreichischen Wurzeln

Silvaner gehört zu den ältesten Weißweinsorten Mitteleuropas. DNA-Analysen zeigen, dass er aus einer natürlichen Kreuzung von Traminer und Österreichisch Weiß hervorgegangen ist, höchstwahrscheinlich auf dem Gebiet des heutigen Österreich. Seine deutsche Geschichte beginnt im April 1659: Damals ließ die Verwaltung des Hauses Castell in Franken Silvaner-Reben pflanzen, die erste belegte Pflanzung der Sorte in Deutschland. Bis in die 1960er Jahre war Silvaner die wichtigste Rebsorte des Landes, bevor Riesling und Müller-Thurgau ihn überholten. Heute erlebt er ein starkes Comeback, getragen von Winzerinnen und Winzern, die ihn wieder als Lagenwein ernst nehmen.

Silvaner Wein aus Franken und Rheinhessen

Rund vier Fünftel des deutschen Silvaners wachsen in zwei Gebieten. Rheinhessen hat die größte Silvaner-Fläche überhaupt, und Erzeuger wie Carsten Saalwächter, Weingut Heiligenblut, Bastian Beny oder Michael Teschke zeigen, wie viel Spannung die Sorte auf Kalk und Löss entwickelt. In Franken ist Silvaner die Leitrebsorte und wird traditionell im Bocksbeutel abgefüllt, der bauchig-flachen Flasche, deren Form in der EU geschützt ist. Hier finden Sie Silvaner trocken vom Weingut Rudolf May, darunter die Großen Gewächse aus Himmelspfad und Rothlauf, dazu Kraemer, Giegerich, Florian Reus und Krawalter. Auch in Baden (Dr. Heger, Wengerter Und), an der Hessischen Bergstraße (Barnert & Drewitz), in Württemberg (Weingut Heid) und an der Saale-Unstrut (Konni & Evi) entstehen eigenständige Silvaner.

Eine Besonderheit ist der Blaue Silvaner: eine Farbmutation mit bläulich-roten Beeren, die trotzdem einen Weißwein ergibt. Grüner Silvaner ist dagegen schlicht der vollständige Name der klassischen Sorte.

Sylvaner im Elsass, in Südtirol und im Wallis

Unter dem Namen Sylvaner kennt man dieselbe Rebsorte im Elsass. Lange galt sie dort als einfacher Alltagswein, doch der Zotzenberg ist heute die einzige elsässische Grand-Cru-Lage, auf der auch Sylvaner zugelassen ist. Domaine Ostertag keltert Les Vieilles Vignes de Sylvaner, Jean-Marie Haag zeigt die süße Seite der Sorte. Mehr Elsässer Weine finden Sie unter Alsace. In Südtirol ist das Eisacktal die Hochburg: Abbazia di Novacella, Kuenhof und Pacher Hof stehen für straffe, kühle Bergweine. Im Schweizer Wallis heißt die Sorte Johannisberg, eine Anspielung auf das berühmte Rheingauer Schloss.

Silvaner trocken: Geschmack und passende Speisen

Silvaner ist kein lautes Aromawunder wie Gewürztraminer oder Sauvignon Blanc. Er duftet zurückhaltend nach grünem Apfel, Birne, frischen Kräutern und Heu, im Mund zeigt er eine saftige, eher milde Säure und eine feine, oft erdig-steinige Würze. Jung und im Stahltank ausgebaut wirkt er frisch und unkompliziert, aus alten Reben und großen Lagen gewinnt er Tiefe, Schmelz und viele Jahre Lagerpotenzial. Gereifte Spätlesen und edelsüße Sylvaner zeigen, wie gut die Sorte altern kann.

Am Tisch ist Silvaner ein Allrounder. Der Klassiker ist Spargel, ob mit Sauce Hollandaise oder zerlassener Butter. Ebenso gut passt er zu Forelle, Zander, Kalbfleisch, fränkischen Bratwürsten, Ziegenkäse und Gerichten mit frischen Kräutern. Wer zum Vergleich eine aromatischere Sorte probieren möchte, findet beim Riesling den rassigeren Gegenpol.

Häufige Fragen zu Silvaner

Ist Silvaner dasselbe wie Sylvaner?

Ja. Silvaner ist die deutsche Schreibweise, Sylvaner die im Elsass, in Südtirol und vielen anderen Ländern übliche. Gemeint ist immer dieselbe Rebsorte.

Wie schmeckt Silvaner?

Trockener Silvaner ist dezent fruchtig, mit Noten von Apfel, Birne und Kräutern, milder Säure und einer erdig-mineralischen Note. Er ist eher leise als aufdringlich und gerade deshalb ein hervorragender Essensbegleiter.

Was ist der Unterschied zwischen Grünem, Blauem und Rotem Silvaner?

Grüner Silvaner ist die klassische Sorte. Blauer und Roter Silvaner sind Farbvarianten mit dunkleren Beerenhäuten, aus denen dennoch Weißwein gekeltert wird.

Ist Riesling-Sylvaner eine Mischung aus Riesling und Silvaner?

Nein. Riesling-Sylvaner ist der in der Schweiz gebräuchliche Name für Müller-Thurgau. Lange hielt man die Sorte für eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner, DNA-Analysen haben jedoch Riesling und Madeleine Royale als Eltern ermittelt.

Warum wird Silvaner aus Franken im Bocksbeutel abgefüllt?

Der Bocksbeutel ist seit Jahrhunderten die typische Flasche für fränkischen Wein. Seine Form ist in der EU geschützt und darf nur für bestimmte Weine verwendet werden, darunter Franken, Teile Badens und einige Südtiroler Weine.