Muskateller gehört zu den ältesten Rebsorten überhaupt, und er ist einer der wenigen Weine, die im Glas wirklich nach frischen Trauben schmecken. Hinter dem deutschen Namen steckt eine ganze Familie: Gelber Muskateller heißt in Frankreich Muscat blanc à petits grains und in Italien Moscato Bianco. Dazu kommen Verwandte wie Muscat d'Alexandrie, auf Sizilien Zibibbo genannt, und der jüngere Muskat-Ottonel. Hier findest du trockenen Muskateller Wein aus der Pfalz und der Steiermark, prickelnden Moscato d'Asti und goldene Süßweine aus Südfrankreich.
Wie Muskateller Wein schmeckt und warum er so duftet
Steck die Nase ins Glas und du riechst Trauben, Holunderblüte, Orangenschale und oft ein wenig Muskatnuss. Der Duft verspricht Süße, doch ein trocken ausgebauter Muskateller ist am Gaumen schlank, frisch und fast zart. Genau das macht ihn zum idealen Aperitif. Dieselbe Traube liefert aber auch große Dessertweine, also lohnt sich ein Blick auf den Stil.
Gelber Muskateller aus Deutschland und Österreich
In Deutschland bleibt Muskateller eine Rarität, weil die Rebe empfindlich auf Winterfrost reagiert. Um 2010 standen bundesweit nur rund 190 Hektar, die meisten davon in der Pfalz. Dort keltert das Weingut Ökonomierat Rebholz einen trockenen Bio-Muskateller, und von Müller-Catoir kommt ein Muskateller aus Haardt an der Weinstraße. Aus Rheinhessen kommen Cuvées mit Muskateller-Anteil von Bianka und Daniel Schmitt und vom Gustavshof.
Die eigentliche Hochburg ist Österreich, allen voran die Steiermark, wo warme Tage und kühle Nächte einen duftigen, präzisen Stil fördern. Probier Gerhard Wohlmuth aus der Südsteiermark, Neumeister aus Straden im Vulkanland, Jaunegg oder Maria und Sepp Muster. Aus dem Weinviertel kommt der Bio-Muskateller NUMEN von Johannes Zillinger. Mehr aus dem Land findest du bei den österreichischen Weinen.
Moscato d'Asti und Moscato aus ganz Italien
Italien hat die größte Muskateller-Fläche der Welt, und das Piemont die bekannteste Tradition. Beim Moscato d'Asti wird die Gärung früh gestoppt, sodass nur fünf bis sechs Prozent Alkohol entstehen und viel natürliche Traubensüße bleibt. Er perlt nur sanft und duftet nach Pfirsich und Salbei. Schöne Beispiele kommen von Paolo Saracco, Ca' d'Gal, La Spinetta, Ceretto und Michele Chiarlo. Wer mehr Druck in der Flasche möchte, greift zum voll schäumenden Asti oder schaut bei den italienischen Spumante vorbei.
In Südtirol heißt die Sorte Goldmuskateller oder Moscato Giallo, etwa bei Tiefenbrunner, Cantina Tramin und der Kellerei Bozen, die auch einen seltenen Moscato Rosa abfüllt. Auf Sizilien wird Muscat d'Alexandrie zu Zibibbo. Auf der Insel Pantelleria wachsen die Reben als niedrige Buschreben in Mulden aus Vulkanerde, eine Anbauweise, die die UNESCO 2014 als immaterielles Kulturerbe anerkannt hat. Daraus entsteht Passito di Pantelleria wie Ben Ryé von Donnafugata.
Muscat aus dem Elsass und süße Muscats aus Südfrankreich
Muscat d'Alsace ist fast immer trocken, meist eine Cuvée aus Muscat à petits grains und Muskat-Ottonel. Domaine Zind-Humbrecht, Domaine Weinbach und Jean Becker zeigen, wie gut das funktioniert. Weitere Weine aus der Region findest du im Elsass.
Im Süden geht es in die andere Richtung. Beim Vin Doux Naturel stoppt man die Gärung mit Weinbrand, der Zucker bleibt im Wein. Muscat de Beaumes-de-Venise stammt von den Südhängen der Dentelles de Montmirail, wird ausschließlich aus Muscat à petits grains gekeltert und hat mindestens 15 Prozent Alkohol. Pierre Amadieu und Domaine de Coyeux sind hier gute Namen. Dazu kommen Muscat de Rivesaltes aus dem Roussillon und spanischer Moscatel aus Jerez und Málaga, unter anderem von Telmo Rodríguez. Noch mehr edelsüße Flaschen findest du bei den Dessertweinen.
Häufige Fragen zu Muskateller und Moscato
Ist Muskateller süß oder trocken?
Beides. Muskateller aus Deutschland, Österreich und dem Elsass ist überwiegend trocken. Moscato d'Asti, Passito di Pantelleria und die französischen Vins Doux Naturels sind süß. Moscato Bianco ist übrigens einfach der italienische Name für Gelber Muskateller.
Was ist der Unterschied zwischen Muskateller und Muskat-Ottonel?
Muskat-Ottonel ist eine jüngere Sorte, die um 1852 in Angers verbreitet wurde, und gilt als Kreuzung aus Chasselas und einer Muscat-Sorte. Sie duftet feiner und hat weniger Säure als Gelber Muskateller. Heute ist sie vor allem im nördlichen Burgenland zu Hause, etwa beim Weingut Velich. Weil sie zur Muskat-Familie gehört, findest du sie ebenfalls auf dieser Seite.
Wozu passt Gelber Muskateller?
Trocken passt er zu leichten Vorspeisen, Kräutersalaten und leicht scharfer asiatischer Küche. Moscato d'Asti begleitet Obstdesserts, ein Muscat de Beaumes-de-Venise passt gut zu Blauschimmelkäse.