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Auslese: die ausgewählte Stufe im deutschen Prädikatssystem

Auslese heißt wörtlich, was im Weinberg passiert: Spät im Herbst werden von Hand nur die reifsten Trauben gelesen, unreife Beeren bleiben zurück. Im deutschen und österreichischen Weinrecht steht die Auslese über Kabinett und Spätlese und unter Beerenauslese und Trockenbeerenauslese. Sie ist ein Prädikat, keine Geschmacksrichtung. Geregelt ist die Reife der Trauben bei der Lese, nicht die Süße des fertigen Weins.

In Deutschland liegt das Mindestmostgewicht je nach Anbaugebiet und Rebsorte zwischen 83 und 100 Grad Oechsle. Die Mosel liegt am unteren Ende, der Rheingau verlangt mehr. In Österreich gelten 21 Grad KMW, das entspricht etwa 105 Grad Oechsle. Anreichern ist bei Prädikatsweinen nicht erlaubt. Als erste Auslese gilt meist ein Wein von Schloss Johannisberg im Rheingau aus dem Jahr 1787, und bis heute entsteht Auslese nur in Jahren, in denen der Herbst den Trauben genug Sonne und Zeit lässt.

Fruchtsüß, feinherb oder trocken: so schmeckt Auslese

Die meisten Auslesen sind süß, mit reifen Noten von Aprikose, Pfirsich, Honig und Zitrus, getragen von der Säure, die vor allem der Riesling mitbringt. Ein Teil der Trauben kann edelfaul sein, doch Botrytis prägt eine Auslese nie so stark wie eine Beerenauslese. Daneben gibt es die Auslese trocken, vor allem aus der Pfalz, mit mehr Alkohol und Körper, und halbtrockene Weine mit dem Zusatz feinherb oder halbtrocken.

Viele Erzeuger liegen weit über den Mindestwerten und zeigen das auf dem Etikett: mit ein bis drei Sternen, mit Fassnummern oder mit der Goldkapsel. Die lange Goldkapsel steht für die besten Partien. Gesetzlich definiert ist keine dieser Angaben. Die Goldkapsel entstand gerade deshalb, weil das Weingesetz von 1971 die alten Begriffe feine, hochfeine und feinste Auslese verbot, die Sie auf älteren Flaschen noch finden, ebenso wie das Wort Cabinet. Eiswein ist erst seit 1982 ein eigenes Prädikat, ältere Eisweine heißen deshalb oft Eiswein-Auslese.

Auslese von Mosel, Rheingau und Pfalz in unserem Sortiment

Die Mosel ist am stärksten vertreten. Joh. Jos. Prüm mit Wehlener Sonnenuhr und Graacher Himmelreich, junge Jahrgänge ebenso wie alte Goldkapseln. Von der Saar kommt Egon Müller mit Scharzhofberger und Le Gallais Wiltinger braune Kupp, von der Ruwer Maximin Grünhaus mit Abtsberg und Herrenberg. Markus Molitor ist mit Auslesen in allen drei Geschmacksrichtungen dabei, Fritz Haag und Max Ferd. Richter mit Brauneberger Juffer-Sonnenuhr, dazu Willi Schaefer aus Graach.

Aus dem Rheingau finden Sie Robert Weil, Schloss Johannisberg mit Rosalack, Schloss Reinhartshausen vom Erbacher Markobrunn und Kloster Eberbach, das auch Spätburgunder Auslese vom Assmannshäuser Höllenberg im Programm hat. Bassermann-Jordan vertritt die Pfalz mit Forster Jesuitengarten und Ungeheuer, Klaus Peter Keller ist mit einer Rieslaner Auslese aus Rheinhessen dabei. Die Jahrgänge reichen vom späten 19. Jahrhundert bis heute.

Auslese zum Essen und richtig serviert

Eine süße Auslese kann man solo als Aperitif trinken, am schönsten ist sie aber zum Essen. Blauschimmelkäse und Foie gras sind klassische Begleiter, und die Süße mildert die Schärfe thailändischer oder chinesischer Gerichte. Zum Dessert passt eine Obsttarte mit Apfel, Zitrus oder Pfirsich, solange der Nachtisch nicht süßer ist als der Wein. Servieren Sie Auslese bei 8 bis 12 Grad. Wer noch mehr Süße sucht, findet weitere Stile unter Dessertwein.

Häufige Fragen zur Auslese

Was ist der Unterschied zwischen Spätlese und Auslese?

Beide werden spät gelesen, für die Auslese kommen aber nur die reifsten Trauben in Frage, und das Mindestmostgewicht ist höher. Das ergibt mehr Konzentration und meist mehr Süße.

Ist Auslese immer süß?

Nein. Das Prädikat beschreibt die Reife der Trauben, nicht den Restzucker. Die meisten Auslesen sind süß, eine Auslese trocken ist trocken, feinherb liegt dazwischen.

Was bedeutet Goldkapsel bei einer Auslese?

Die Goldkapsel ist die eigene Auszeichnung des Weinguts für eine besonders feine Partie. Sie ist nicht gesetzlich geregelt, und die Kriterien unterscheiden sich von Haus zu Haus.

Wie lange kann man Auslese lagern?

Eine gute Riesling Auslese kann sich über Jahrzehnte entwickeln. Mit dem Alter tritt die Süße zurück, und Noten von Honig und getrockneten Früchten kommen hervor.