Was ist Beerenauslese? Das Prädikat zwischen Auslese und TBA
Beerenauslese, kurz BA, ist eines der höchsten Prädikate im deutschen und österreichischen Weinrecht. Gelesen werden überreife und meist von Edelfäule befallene Beeren, oft einzeln von Hand aus der Traube gezupft. Das Ergebnis ist ein natursüßer Wein mit Honig, Dörrobst, kandierter Zitrusschale und viel Säure, der Jahrzehnte reifen kann.
Gemessen wird am Mostgewicht. In Deutschland verlangt die Beerenauslese je nach Anbaugebiet und Rebsorte mindestens 110 bis 128 Grad Oechsle, in Österreich 25 Grad KMW, also rund 127 Grad Oechsle. Zuckern ist verboten, die Süße stammt allein aus der Traube.
Beerenauslese, Auslese und Trockenbeerenauslese im Vergleich
Die Auslese liegt eine Stufe darunter. Sie entsteht aus vollreifen Trauben, Edelfäule kann dabei sein, ist aber nicht prägend, und es gibt sie auch trocken. Die Beerenauslese ist dagegen immer süß und vom Botrytis-Ton geprägt. Darüber steht nur noch die Trockenbeerenauslese: Sie verlangt mindestens 150 Grad Oechsle und wird aus rosinenartig eingeschrumpften Beeren gekeltert, ist also noch konzentrierter. Gute Erzeuger übertreffen die Mindestwerte allerdings oft deutlich, sodass eine starke BA einer TBA näher kommen kann, als die Etiketten vermuten lassen.
Edelfäule: wie eine Beerenauslese entsteht
Der Pilz Botrytis cinerea durchlöchert unter den richtigen Bedingungen die Beerenhaut. Feuchte, neblige Herbstmorgen und trockene, warme Nachmittage lassen Wasser verdunsten, Zucker und Säure konzentrieren sich, und es entstehen Aromen, die gesunde Trauben nicht haben. Weil der Befall ungleichmäßig verläuft, gehen die Lesehelfer mehrmals durch denselben Weinberg. Die Erträge sind winzig, die Gärung läuft wegen des hohen Zuckergehalts langsam, und der Alkohol bleibt meist moderat.
Die feinsten Beerenauslesen stammen aus Riesling, weil seine Säure der Süße Spannung gibt. Daneben finden Sie Spätburgunder und Spätburgunder Weißherbst von Kloster Eberbach aus Assmannshausen, Grauburgunder aus Rheinhessen und österreichische Cuvées.
Beerenauslese von Mosel, Rheingau, Nahe und aus dem Burgenland
An der Mosel und Saar stehen Joh. Jos. Prüm, Willi Schaefer, Max Ferd. Richter, Markus Molitor, Maximin Grünhaus, Van Volxem und Egon Müller Scharzhof für einen schwebenden, fast filigranen Stil. Der Rheingau bringt mehr Körper und Würze, mit Schloss Johannisberg, Schloss Reinhartshausen, Kloster Eberbach (Steinberger), Robert Weil, Peter Jakob Kühn, Schloss Schönborn, Langwerth von Simmern und Leitz. Von der Nahe kommen Dönnhoff und Emrich-Schönleber, aus der Pfalz Bassermann-Jordan und Reichsrat von Buhl.
Aus Österreich kommt die Beerenauslese von Velich aus dem Seewinkel am Neusiedler See im Burgenland, einer Gegend, in der die Feuchtigkeit des Sees die Edelfäule begünstigt. Dazu kommen Beerenauslesen aus dem Kamptal von Steininger und Höllerer.
Alte Jahrgänge und alte Etiketten
Unter den Flaschen finden sich historische Jahrgänge aus Rheingau, Mosel und Rheinhessen, die ältesten aus den 1890er Jahren. Vor dem Weingesetz von 1971 standen Zusätze wie Cabinet, feinste oder Edel- auf dem Etikett, etwa bei einer Edelbeerenauslese, und bis 1982 war Eiswein kein eigenes Prädikat. Darum gibt es Eiswein-Beerenauslesen aus den Siebzigern. Goldkapsel und Versteigerung kennzeichnen bis heute besonders ausgesuchte Partien.
Beerenauslese zum Essen
Klassisch passt eine Beerenauslese zu Blauschimmelkäse, bei dem Salz und Süße sich gegenseitig heben, und zu Gänseleber. Zum Dessert eignen sich Obsttarte, Apfel- oder Aprikosenkuchen, die weniger süß sind als der Wein. Eine gereifte BA trinkt man am besten pur, kühl, aber nicht eiskalt, damit sich das Bukett öffnen kann. Mehr süße Weine finden Sie unter Dessertwein.
Häufige Fragen zur Beerenauslese
Ist Beerenauslese immer süß?
Praktisch ja. Bei diesem Mostgewicht bleibt nach der Gärung viel Restzucker übrig. Trocken ausgebaute Beerenauslesen sind seltene Ausnahmen.
Gibt es Beerenauslese als Rotwein?
Ja, wenn auch selten. Kloster Eberbach hat aus dem Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Beerenauslesen erzeugt, teils als roten Wein, teils als Weißherbst.
Wie lange kann man eine Beerenauslese lagern?
Gute Riesling Beerenauslesen entwickeln sich oft über Jahrzehnte. Die Säure hält sie frisch, während Honig- und Karamelltöne zunehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Beerenauslese und Eiswein?
Beide verlangen ein ähnliches Mostgewicht. Die Beerenauslese entsteht aus edelfaulen Beeren, der Eiswein aus gesunden Trauben, die gefroren gelesen und gepresst werden. Beerenauslese schmeckt deshalb nach Honig und Dörrobst, Eiswein klarer und säurebetonter.