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Beerenauslese ist die Stufe, auf der deutscher Süßwein wirklich groß wird, und gleichzeitig die letzte, die noch bezahlbar bleibt. Edelfaule Beeren, Honig und eine Säure, die alles trägt. Hier finden Sie unsere Auswahl, überwiegend Riesling aus Rheingau und Mosel.

110 bis 128 Grad Oechsle, und was das bedeutet

Das deutsche Prädikatssystem ordnet Weine nach dem Zuckergehalt des Mostes, gemessen in Oechslegraden. Über Kabinett, Spätlese und Auslese liegt die Beerenauslese mit 110 bis 128 Grad Oechsle, abhängig von Anbaugebiet und Rebsorte. Darüber kommt nur noch die Trockenbeerenauslese mit mindestens 150.

Auf derselben Oechslestufe steht seit 1982 auch der Eiswein. Der Unterschied liegt im Weg dorthin: Beerenauslese entsteht aus edelfaulen Beeren, Eiswein aus gesunden gefrorenen. Das schmeckt man deutlich. Beerenauslese bringt Honig, Dörrobst und Safran mit, Eiswein bleibt klarer und zitrischer.

Edelfäule als Handwerk

Botrytis cinerea ist derselbe Pilz, der im Weinberg auch Schaden anrichten kann. Unter den richtigen Bedingungen, feuchte Morgen und trockene Nachmittage im Herbst, durchdringt er die Beerenhaut und lässt Wasser verdunsten. Zurück bleiben Zucker, Säure und neue Aromen, die die gesunde Beere nicht hat.

Weil der Befall ungleichmäßig verläuft, wird über Wochen in mehreren Durchgängen gelesen und einzelne Beeren aus den Trauben genommen. Die Mosel und der Rheingau sind für diese Arbeit prädestiniert: steile Lagen an Flüssen, mit dem Nebel, den die Edelfäule braucht.

Der beste Einstieg in deutschen Süßwein

Wer große deutsche Süßweine kennenlernen will, fängt hier an und nicht bei der Trockenbeerenauslese. Eine Beerenauslese kostet einen Bruchteil, zeigt dieselbe Machart und ist in der Jugend zugänglicher, weil die Konzentration nicht so extrem ist.

Bei uns beginnt die Auswahl unter 60 Euro für halbe Flaschen von guten Mosel-Gütern. Damit liegt die Kategorie unter vielen trockenen Lagenweinen derselben Betriebe, obwohl der Arbeitsaufwand ein Vielfaches beträgt. Ein Missverhältnis, das dem Käufer zugutekommt.

Die Weingüter in unserer Auswahl

Aus dem Rheingau führen wir die Staatsweingüter Kloster Eberbach, Schloss Reinhartshausen, Schloss Schönborn, Schloss Eltz, Schloss Johannisberg und Freiherr Langwerth von Simmern, dazu Peter Jakob Kühn.

Von der Mosel und Saar kommen Joh. Jos. Prüm, Willi Schaefer, Max Ferd. Richter und Markus Molitor, sowie Egon Müller Scharzhof, dessen Beerenauslesen zu den teuersten Weißweinen der Welt zählen und bei uns im vierstelligen Bereich liegen. Dr. von Bassermann-Jordan aus der Pfalz und die Vereinigten Hospitien aus Trier ergänzen das Bild.

Häufige Fragen zur Beerenauslese

Ist Beerenauslese immer süß?

Ja. Das Prädikat beschreibt das Mostgewicht, und bei diesen Werten bleibt nach der Gärung zwangsläufig viel Restzucker. Trockene Weine dieser Oechslestufe gibt es praktisch nicht.

Was ist der Unterschied zur Auslese?

Die Auslese liegt eine Stufe darunter und braucht deutlich weniger Mostgewicht. Sie kann noch aus gesunden, sehr reifen Trauben entstehen, während die Beerenauslese in der Regel Edelfäule voraussetzt.

Wie lange kann man eine Beerenauslese lagern?

Zwanzig bis dreißig Jahre bei guten Flaschen, oft länger. Die hohe Säure des Rieslings ist dabei entscheidender als der Zucker.

Wozu passt Beerenauslese?

Blauschimmelkäse, Gänsestopfleber, Obstkuchen mit nicht zu viel Zucker. Auch zu scharfen asiatischen Gerichten funktioniert sie gut, weil die Süße die Schärfe abfedert. Serviertemperatur etwa acht bis zehn Grad.

Reicht eine halbe Flasche?

In der Regel ja. Man trinkt kleine Mengen, und geöffnet hält der Wein im Kühlschrank ein bis zwei Wochen ohne Qualitätsverlust.