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Carménère: die vergessene Bordeaux-Rebsorte, die in Chile eine Heimat fand

Carménère ist eine rote Rebsorte aus dem Médoc und war einst eine der sechs klassischen roten Sorten von Bordeaux, auch bekannt als Grande Vidure. Der Name leitet sich vom französischen Wort für Karmin ab und spielt auf das tiefe Rot an, das die Blätter im Herbst annehmen. Nach der Reblauskatastrophe im 19. Jahrhundert wurde die Sorte in Frankreich fast vollständig aufgegeben, weil sie schwierig im Anbau war und nur geringe Erträge brachte. Heute gibt es in Bordeaux nur noch wenige Reben, doch einige Châteaux halten an ihr fest. Château Clerc Milon in Pauillac besitzt bis heute eine kleine Parzelle Carménère aus dem Jahr 1947, die in kleinen Anteilen in die Cuvée einfließt.

Überlebt hat die Rebsorte in Chile, wohin im 19. Jahrhundert Stecklinge aus Bordeaux gelangten. Dort wurde sie über hundert Jahre lang mit Merlot verwechselt und gemeinsam mit ihm gelesen. Erst 1994 erkannte der französische Ampelograf Jean-Michel Boursiquot die Reben als Carménère, 1998 wurde die Sorte in Chile offiziell anerkannt. Seitdem gilt Carménère als Aushängeschild des Landes, und Chile besitzt die größten Anbauflächen der Welt.

Wie schmeckt Carménère Wein? Dunkle Frucht, Würze und weiche Tannine

Carménère ergibt tieffarbige Rotweine mit Aromen von roten und dunklen Beeren, Kirschen, Gewürzen und oft einem Hauch Rauch oder Erde. Die Tannine sind weicher als beim Cabernet Sauvignon, der Körper meist mittelkräftig, sodass die Weine schon jung zugänglich sind. Die Rebe reift spät und braucht eine lange, trockene Vegetationsperiode. Wird sie zu früh gelesen, treten grüne Paprika und Kräuter deutlich hervor, voll ausgereifte Trauben liefern dagegen einen weicheren, fruchtbetonten Stil mit würziger Note.

Reinsortiger Carménère und die großen Cuvées aus Chile

Zu den reinsortigen oder fast reinsortigen Weinen gehören Montes Alpha Carmenère und Purple Angel aus Colchagua. Purple Angel besteht zu rund 92 Prozent aus Carménère aus Apalta und Marchigüe und zu 8 Prozent aus Petit Verdot. Casa Silva ist mit Gran Terroir de Los Andes und S7 Single Block Los Lingues vertreten, dazu kommen Carménère von Haras de Pirque, Viña Vik, Tabalí, Emiliana Natura, Casa La Tenca und Maquis.

In den Ikonenweinen Chiles ist Carménère eine wichtige Würzkomponente. Seña aus dem Aconcagua-Tal, den Eduardo Chadwick und Robert Mondavi erstmals 1995 erzeugten, und Almaviva aus Puente Alto, ein Gemeinschaftsprojekt von Concha y Toro und Baron Philippe de Rothschild, verbinden die Sorte mit Cabernet Sauvignon und weiteren Rebsorten. Ebenso Don Maximiano Founder's Reserve von Errázuriz, Coyam und Viña Viks La Piu Belle. Weitere Erzeuger finden Sie bei unseren chilenischen Weinen.

Carménère aus Italien und Bordeaux

In Italien wurde Carménère lange für Cabernet Franc gehalten; angebaut wird sie vor allem in Venetien und im Friaul. Inama in den Colli Berici hat die Sorte zu ihrer Spezialität gemacht, mit Carminium, Carmenere Più und der Riserva Oratorio di San Lorenzo, deren Weinberg eine kleine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert umgibt. Auch Poggio alle Nane von Antinoris Le Mortelle in der Maremma, San Leonardo aus dem Trentino und Ca' del Boscos Corte del Lupo Rosso enthalten Carménère. Aus Bordeaux gibt es unter anderem Château Clerc Milon, wo die Sorte nur einen kleinen Teil der Cuvée ausmacht.

Speiseempfehlungen zu Carménère

Der würzige, weiche Stil passt gut zu gegrilltem Rindfleisch, Lamm und Schwein, und die kräuterige Seite der Rebe macht sie zum guten Begleiter für Gerichte mit Paprika, Kreuzkümmel und frischen Kräutern. Die großen Cuvées wie Seña und Almaviva verlangen nach kräftigeren Speisen wie Rinderbraten oder Wild.

Häufige Fragen zu Carménère

Ist Carménère dasselbe wie Merlot?

Nein. Die beiden Rebsorten sehen sich im Weinberg ähnlich und wurden in Chile bis 1994 verwechselt, doch Carménère reift zwei bis drei Wochen später als Merlot und zeigt mehr Würze und Kräuternoten.

Woher stammt Carménère?

Die Rebsorte stammt aus dem Médoc in Bordeaux, wird heute aber vor allem mit Chile verbunden, etwa mit Colchagua, Cachapoal und Maipo. Auch in Norditalien wird sie angebaut.

Wie schmeckt Carménère?

Meist mittelkräftig mit dunklen Beeren, Kirschen, Gewürzen und einem Hauch grüner Paprika, mit weicheren Tanninen als Cabernet Sauvignon.

Bei welcher Temperatur serviert man Carménère?

Leicht gekühlt, bei etwa 16 bis 18 Grad, damit Frucht und Würze gut zur Geltung kommen.