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Trockenbeerenauslese ist die höchste Stufe im deutschen Prädikatssystem und einer der konzentriertesten Weine der Welt. Aus rosinenartig eingeschrumpften, edelfaulen Beeren, gelesen Beere für Beere. Hier finden Sie unsere Auswahl, überwiegend Riesling aus dem Rheingau und von der Mosel.

Mindestens 150 Grad Oechsle

Das deutsche Prädikatssystem staffelt Weine nach Mostgewicht in Oechslegraden. Kabinett steht unten, dann Spätlese, Auslese und Beerenauslese. Die Trockenbeerenauslese verlangt je nach Region und Rebsorte mindestens 150 bis 154 Grad Oechsle, also mehr als das Doppelte eines normalen trockenen Weißweins.

Diese Werte erreicht man nicht durch Warten allein. Nötig ist Botrytis cinerea, die Edelfäule, ein Pilz, der die Beerenhaut durchdringt und Wasser verdunsten lässt, während Zucker, Säure und Aromastoffe zurückbleiben. Bei der Trockenbeerenauslese ist dieser Prozess so weit fortgeschritten, dass die Beeren vollständig eingetrocknet sind.

Auch Österreich, und in Ausnahmefällen rot

Das Prädikat existiert nicht nur in Deutschland. Österreich kennt die Trockenbeerenauslese ebenfalls, vor allem im Burgenland rund um den Neusiedler See, wo die Nebel des flachen Sees ideale Bedingungen für Edelfäule schaffen. Unser Sortiment ist allerdings fast vollständig deutsch, mit nur einzelnen österreichischen Flaschen.

Ganz überwiegend entstehen TBAs aus weißen Sorten, neben Riesling etwa Weißburgunder und Scheurebe. Es gibt aber auch rote, meist aus Spätburgunder, und die sind so selten, dass die meisten Weintrinker nie eine im Glas hatten.

Warum jede Flasche ein Kunststück ist

Edelfäule ist wählerisch. Sie braucht feuchte Morgennebel und trockene, sonnige Nachmittage. Bleibt es zu nass, kippt sie in Graufäule und die Ernte ist verloren. Bleibt es zu trocken, entsteht sie gar nicht.

Selbst wenn das Wetter mitspielt, befällt sie die Trauben ungleichmäßig. Die Lese erfolgt daher in mehreren Durchgängen über Wochen, wobei Pflücker einzelne Beeren aus den Trauben nehmen. Der Saftertrag ist minimal: Für eine halbe Flasche Trockenbeerenauslese braucht es die Traubenmenge, aus der sonst mehrere Flaschen trockener Wein entstehen. Deshalb kommen diese Weine fast nur in Halbflaschen in den Handel.

Wie eine Trockenbeerenauslese schmeckt

Erwartet werden dürfen Aprikose, Dörrobst, Honig, Safran und eine an Marmelade erinnernde Dichte, dazu bei Riesling eine Säure, die das Ganze zusammenhält. Junge Flaschen wirken oft fast zu wuchtig. Nach zehn bis zwanzig Jahren entwickeln sie Karamell-, Tee- und Petrolnoten und werden erst dann wirklich vielschichtig.

Die Haltbarkeit ist außergewöhnlich. Fünfzig Jahre sind bei großen Jahrgängen keine Seltenheit, und geöffnete Flaschen halten im Kühlschrank wochenlang, weil Zucker und Säure gemeinsam konservieren.

Die Weingüter in unserer Auswahl

Den größten Bestand stellen die Staatsweingüter Kloster Eberbach und Schloss Reinhartshausen, beide Rheingau, mit Jahrgängen über mehrere Jahrzehnte. Dazu kommen Schloss Johannisberg, Schloss Schönborn, Freiherr Langwerth von Simmern und Wegeler, ebenfalls Rheingau.

Von der Mosel führen wir Max Ferd. Richter, Markus Molitor und Christoffel-Prüm, aus dem Rheingau außerdem Robert Weil, dessen Trockenbeerenauslesen international zu den gesuchtesten gehören. Emrich-Schönleber von der Nahe und Dr. von Bassermann-Jordan aus der Pfalz ergänzen die Auswahl. Die Preise beginnen bei rund 130 Euro und reichen bis über 25.000 Euro für seltene alte Jahrgänge.

Häufige Fragen zur Trockenbeerenauslese

Was bedeutet Trockenbeerenauslese?

Der Name beschreibt die Lese: ausgelesene, eingetrocknete Beeren. Trocken bezieht sich auf die Beere, nicht auf den Wein, der immer süß ist. Das verwirrt oft.

Was ist der Unterschied zur Beerenauslese?

Das Mostgewicht. Beerenauslese verlangt 110 bis 128 Grad Oechsle, Trockenbeerenauslese mindestens 150. Die Beeren sind bei der TBA vollständig eingeschrumpft, entsprechend höher sind Konzentration und Preis.

Wie lange kann man eine TBA lagern?

Jahrzehnte. Riesling-TBA aus starken Jahrgängen entwickelt sich fünfzig Jahre und länger. Vor zehn Jahren geöffnet zeigt sie meist noch nicht ihr ganzes Potenzial.

Wozu passt eine Trockenbeerenauslese?

Am besten zu sich selbst, als Abschluss eines Essens in kleinen Gläsern bei etwa zehn Grad. Wenn Speise, dann Blauschimmelkäse oder Gänsestopfleber. Süße Desserts überdecken den Wein eher.

Warum gibt es sie nur in halben Flaschen?

Weil die Erntemenge so gering ist und weil eine halbe Flasche der realistischen Trinkmenge entspricht. Ganze Flaschen existieren, sind aber selten und teuer.